Rehawissenschaftliches Kolloquium 2013

Burnout – keine Krankheit, aber ein Problem für die Wirtschaft

24. April 2013 im Berufsförderungswerk Leipzig

Grußwort - Alois Fischer, Geschäftsführer BFW Leipzig

Alois Fischer, Geschäftsführer BFW Leipzig
© A. Starke, BFW Leipzig

Liebe Leserinnen und Leser,

wieder einmal hatte wir zu einem Rehawissenschaftlichen Kolloquium in unser Berufsförderungswerk Leipzig eingeladen. Das Thema „Burnout – keine Krankheit, aber ein Problem für die Wirtschaft“, erwies sich als richtige Wahl für die Veranstaltung. Immer mehr greift Burnout als umfassendes, gesellschaftlich relevantes Problem um sich und erfasst alle Bereiche der Wirtschaft, Politik, des Sports, der Kultur und Bildung.
Unsere Referenten haben den Versuch unternommen, Einblicke aus ihren Fachbereichen zu Ursachen, zu Präventionsmaßnahmen und Strategien des Schutzes zu vermitteln. Es war interessant sowohl aus Bundes- und Landessicht zu erfahren, wie Verantwortliche aus der Politik auf das Thema Burnout eingehen. Die Fachleute aus Medizin, Krankenkasse und Unternehmen trugen schließlich mit ihren Referaten zu einer angeregten Diskussion bei.
Vieles stellte sich in Bezug auf die Anerkennung von Burnout als Volkskrankheit deutlicher dar. Wir sollten erkennen, dass Burnout im heutigen Sprachgebrauch viel zu schnell verwendet wird, um von den eigentlichen Erkrankungen, die dahinter stecken, abzulenken.
Mit dem Kolloquium konnten sicherlich nicht alle Fragen geklärt werden, aber es war ein Ansatz. Daran werden wir anknüpfen und im kommenden Jahr mit einem neuen Thema die Gespräche über und zu psychischen Erkrankungen und die Auswirkungen auf die Arbeitswelt fortführen.
In diesem Sinne freue ich mich schon auf ein neues spannendes Thema und die Diskussion darüber.

Ihr Alois Fischer
Geschäftsführer, BFW Leipzig

Tagungsbericht 2013

Burnout - keine Krankheit, aber ein Problem für die Wirtschaft

Unter diesem Motto trafen sich am 24. April 2013 über 100 Vertreter aus der Wirtschaft, der Politik, den Rentenversicherungsträger, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen sowie den Arbeitsvermittlungen aus ganz Deutschland, um sich über die neuesten Erkenntnisse zum Thema Burnout zu informieren und mit den anwesenden Fachleuten zu diskutieren.
Schon die Liste der Referenten erwies sich als besonders interessant, da viele Facetten des Themas durch die unterschiedlichen Bereiche, aus denen die Damen und Herren kamen, beleuchtet werden konnten.

Burnout – Krankheit der Fleißigen, die etwas leisten wollen

Die Grußworte von Gitta Lampersbach, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie Alf-Rüdiger König, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucher verdeutlichten, dass die verantwortlichen politischen Stellen von Bund und Land das Thema Burnout ernst nehmen und die Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben kritisch betrachten. Frau Lampersbach stellte jedoch die Schwierigkeit im Umgang mit dem Begriff „Burnout“ gleich zu Beginn dar. Allein die unterschiedliche Schreibweise von „Burnout“ über „Burn Out“ bis hin zu Burn-out“ deute darauf hin, dass es noch verschwommene Auffassungen zu diesem sogenannten Krankheitsbild gebe. Man müsse in diesem Zusammenhang den Betroffenen nicht nur als den Menschen an seinem Arbeitsplatz betrachten, sondern alle Lebensumstände, auch sein Privatleben, einbeziehen. Lärm zu Hause, Fliegen in den Urlaub über Zeitgrenzen hinweg seien ihrer Meinung nach ebensolche Stressfaktoren, die zu einer Überlastungen führen würden. Dies könne zusammen mit der Arbeitsüberlastung schnell zu einem sogenannten „Burnout“ führen. Es ginge vordergründig um eine Entschleunigung des Lebens sowie um eine angenehmere Gestaltung der Arbeitswelt durch die Arbeitgeber. Dies tragen in erster Linie zur Prävention vor psychischen Erkrankungen durch und am Arbeitsplatz bei. Für September dieses Jahres kündigte Gitta Lampersbach ein Handbuch mit Arbeitsschutzstrategien an, worin ihre Abteilung auch Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zusammenfasst.

Hurra, ich habe Burnout. Das ist eine gute Nachricht

Alf-Rüdiger König wies in seinem Grußwort auf den Anstieg von psychosomatischen Krankheiten in Sachsen hin. Er erkenne an den Zahlen aus seinem Bundesland im Vergleich mit den anderen Bundesländern einen Trend. Es gebe eine Verschiebung von den bislang typischen somatischen Krankheiten hin zu dieser wachsenden Zahl psychosomatischer Beeinträchtigungen. Dies liege nach seinem Dafürhalten daran, dass die Mediziner feinfühliger in der Betrachtung des ganzheitlichen Menschen geworden seien und mehr im Gegensatz zu früheren Zeiten auch psychische Erkrankungen diagnostizierten. Er appelliere aber an die Ärzte, genauer zu schauen, wer und wann, wie krankgeschrieben werden müsse.

Behandlungskosten stehen nicht im Vordergrund

Dr. Jan Helfrich unterstützte als Vertreter einer Krankenkasse diesen Trend seinerseits auf bundesweiter Ebene. Als Referent des Vorstandes der DAK Gesundheit habe er nicht nur für dieses Kolloquium mit den Zahlen zu tun. Diese sagen eindeutig aus, was auch der diesjährige Stressreport seiner Krankenkasse belege, dass es eine Zunahme der psychischen Erkrankungen gegenüber den somatischen gibt. Er unterstützte im Laufe seines Vortrages die These von Gitta Lampersbach, dass es im Gesundheitswesen unterschiedliche Bewertungen von Burnout gebe. Dem Burnout stehe die klar definierte und diagnostizierbare Krankheit Depression gegenüber. So führe Burnout im Durchschnitt zu 10 Ausfalltagen im Jahr, wogegen bei einer Depression mit 85 Ausfalltagen gerechnet wird. Dem Gesamthaushalt von 20 Milliarden Euro stünden Ausgaben in Höhe von 58 Millionen Euro für die Behandlung von Burnout gegenüber. Dies sei zwar kein kleiner Betrag, aber noch kein relevanter Hinweis auf eine sogenannte Volkskrankheit. Abschließend betonte er, dass es den Betroffenen egal sei, ob es verschwommene und oft populistische Herangehensweisen an das Thema Burnout gebe. Sie bräuchten Hilfe im konkreten Falle und als Krankenkasse werde man dort nicht in erster Linie auf die Behandlungskosten blicken, sondern auf die Gesundheit seiner Mitglieder.

Depression ist die wichtigste Volkskrankheit

Mit einem Blick in die Geschichte schloss sich der Vortrag von Professor Dr. Ulrich Hegerl, Universitätsprofessor am Universitätsklinikum Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, an. Die historische Rückschau von der Melancholie, der Begriff wurde schon vor 2.000 Jahren als Synonym für das heutige Burnout genutzt, bis hin zur klaren Diagnose Depression vor 100 Jahren, erlaube eine Eingrenzung der Krankheitsbilder. Mittlerweile ist der Begriff Burnout zu den meist gesuchten Wörtern in Google avanciert, wenn Menschen nach arbeitsbezogenen Störungen suchten. Deutschland stehe hier sogar an Nummer 1 in der Welt der Google-Nutzer. Er plädiere seinerseits für eine klarere Diagnose bei psychischen Symptomen. Das helfe den Patienten mehr bei der Anwendung richtiger Therapien. Oft stecke hinter der populären Diagnose „Burnout“ eine depressive Erkrankung. Es habe sich aber als gesellschaftsfähiger erwiesen, von Burnout zu reden, als an Depression erkrankt zu sein. Dabei spielten prominente Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit eine große Rolle. Burnout sei modern und stigmatisiere nicht so sehr wie Depression. Dabei sei die Depression die eigentliche Volkskrankheit. Ärzte könnten die einzelnen Stufen einer Depression besser klassifizieren und somit den Betroffenen besser helfen. Es zeige sich, dass mit einer klaren Diagnose einer Depression die Suizidrate bei den Betroffenen rückläufig sei. In dem Behandlungsprozess erweise sich, dass „gesunder“ Arbeitsstress zur Heilung dazugehöre. Aktivitäten trügen zur Genesung bei, da durch die biochemischen Prozesse im Körper angeregt werden. Eine Zunahme von stark depressiven Erkrankungen sei in den letzten Jahren bei Langzeitarbeitslosen zu beobachten gewesen. Das Untätigsein sei in hohem Maße Ursache der Erkrankung der Psyche. Hier müssten neue Ansätze für die Behandlungen gefunden werden, um diese Menschen wieder für die Teilhabe an Arbeit vorzubereiten. Ein gutes Selbstmanagement führe sowohl im Arbeitsleben, als auch im privaten Leben zu einer gesunden Lebensweise, stellte Prof. Ulrich Hegerl abschließend fest und lud die Anwesenden zum 2. Patientenkongress Depression am 1. September 2013 ins Gewandhaus ein.

Prävention für eine gesunde Lebensweise zu wenig im Focus

Mit einem kontroversen Redebeitrag beteiligte sich Dr. Michael Spitzbart an der Diskussion um das Thema Burnout. Erstellte heraus, dass wir mit der Geburt anfangen würden zu sterben. Von einer 100prozentigen Leistungsfähigkeit aller Organe bei der Geburt büße der Mensch im Laufe seines Lebens immer mehr ein. Bis zu einem Verlust von 70 Prozent seiner Leistung sei der Mensch nicht körperlich eingeschränkt. Aber, so betonte er, man könne durch eine kontrollierte Einnahme von verschiedenen Mineralsalzen oder Eiweißstoffen bestimmte Prozesse der Alterung aufhalten und damit gesünder und stressfreier leben. Er ging mit seinen Beispielen in die Geschichte zurück und verdeutlichte, dass die Arbeit allein zu Beginn der industriellen Revolution viel härter gewesen sei als heute. Und auch die Hausarbeit verlangte vor der Erfindung elektrischer Haushaltsgeräte dem Körper mehr ab als heute. Der Verbrauch lag hier bei ca. 4.000 Kilokalorien. Damals nahm speziell die arme Bevölkerung Produkte zu sich, die in der Natur vorkamen und wie Bohnen viel Eiweiß enthielten. Das stärkte deren Abwehrkräfte mehr als die heutige Nahrung. Dr. Michael Spitzbart sorgt sich zu dem um die medizinische Versorgung. Er beobachte, dass sich der moderne Mediziner den Menschen nicht mehr in seiner Ganzheit betrachte und zu schnell Medikamente verschreibe, die ausschließlich auftretende Symptome überdeckten.

Mit Feelgoodmanagerin und Fitnesstraining zu einem gesunden Arbeitsklima

Mit Theresa Kretzschmar, Head of Human Resources der sprd.net AG und Bettina Ganghofer, Geschäftsführerin der Portground GmbH, beteiligten sich zwei Vertreterinnen aus dem Unternehmensbereich an der Diskussion um Burnout. In beiden Firmen stelle man die Prävention in den Vordergrund. Dies führte zu arbeitsplatzbezogenen Verbesserungen und einem besseren Klima im Unternehmen. So habe sich sprd.net seit letztem Jahr eine Feelgoodmanagerin geleistet. Sie sei Ansprechpartnerin für Vorschläge, Sorgen und Nöte der Mitarbeiter. Aber, sie organisiert auch Projekte für die und mit den Mitarbeitern, um das Teamgefühl und die Bindung zum Unternehmen zu stärken. So sei es der Geschäftsleitung sehr wichtig, dass man im Kampf um Fachkräfte ein gutes Arbeitsklima schaffe. Schließlich stünde man als weltweit agierendes Unternehmen unter ständiger Beobachtung. Und gerade, wenn man seinen Haupthandel über das Internet betreibe, würde sich ein gutes Umfeld für die Mitarbeiter auch auf die Servicefreundlichkeit gegenüber den Kunden auswirken. Bettina Ganghofer strebe genau wie ihre Vorrednerin ein gutes Miteinander an den zwei Standorten auf den Flughäfen in Leipzig und Dresden an. Die körperliche schwere Arbeit würde durch die Investition in moderne Maschinen zur Arbeitserleichterung sowie Fitnessprogramme ausgeglichen Und, weil sie wisse, dass man als Maschinenfahrer erst einmal wenig von Sport halte, motiviere sie „ihre Männer“, indem sie mit ihnen zum Fitnessstudio gehe und das ganze Trainingsprogramm zusammen mit ihren Mitarbeitern durchführe. Das beeindrucke die Mitarbeiter und trage auch zu einem guten Miteinander bei. Bettina Ganghofer sprach auch davon, dass es ihr wichtig sei, Fehler zuzulassen. Denn nur wenn man diese analysiere, könne  man begreifen, wo die Ursachen liegen und wie man beim nächsten Mal diese Fehler ausschließen könne. Dieser offene Umgang fördere ihrer Meinung nach das Selbstwertgefühl ihrer Mitarbeiter. Gemeinsam gingen beide Unternehmervertreterinnen abschließend noch auf die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen in Bezug auf den Krankenstand ein. Dieser sei unterschiedlich zu bewerten, da einerseits bei sprd.net mehr leichtere Arbeiten zu bewältigen seien und bei Portground körperlich schwere Arbeit verrichtet wird. Gerade in letztere Unternehmen richteten sich daher die Präventionsmaßnahmen auf die Verringerung von Einschränkungen in der Physis aus. Die Investitionen lohnten sich, da der Ausfall zwar immer noch verhältnismäßig hoch, aber rückläufig sei.

Warm up für’s Burnout

Vor dem Beginn der Podiumsdiskussion erheiterte das Kabarettistenduo Lachschutz LE das Publikum mit einem Ausschnitt aus ihrem Programm „Warm up für’s Burnout“ auf. André Bautzmann und Robert Günschmann zogen ihre Kreise vom stressbeladenen Studenten bis zum ewig gestrigen Rentner und strapazierten die Lachmuskeln der Gäste des Kolloquiums. So machten sie sich in ihrem kurzen Ausschnitt über die ständige Erreichbarkeit in allen Lebenslagen genauso lustig wie über das Verhältnis von alter und junger Generation. Wortgewaltig und gestenreich hielt die beiden Kabarettisten den gesellschaftlichen Lachspiegel in die Luft und ließen offen, wer sich darin wiedersehen wollte.

Podiumsdiskussion

Zu Beginn der abschließenden Podiumsdiskussion fasste Katrin Hartig, die die gesamte Veranstaltung moderierte, noch einmal die Vorträge des Tages kurz zusammen und stellte die aufgeworfenen Thesen als Diskussionsgrundlage den Teilnehmern der Runde vor. Theresa Kretzschmar, Bettina Ganghofer, Dr. Michael Spitzbart und Dr. Ina Ueberschär, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland und Vorsitzende des Verwaltungsrates des BFW Leipzig nahmen auf der Podiumsbühne Platz. Speziell Frau Ueberschär konnte für zwei Seiten eine Meinung vertreten. Einerseits steht sie wie Theresa Kretzschmar und Bettina Ganghofer für ein Unternehmen und zum anderen ist ihr die Vertretung der Versicherten eine Herzenssache. So lag Diskussionsschwerpunkt auf der Prävention. Es gehe nach ihrer Auffassung nicht nur darum, dass sich der Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz „verwöhnen“ lasse, sondern er ist auch aufgerufen aktiv etwas für sein Arbeitsumfeld zu tun. Das Unternehmen könne die Rahmenbedingungen schaffen, aber man selbst müsse durch eine gute Arbeitsorganisation Stress am Arbeitsplatz vermeiden. Wenn in diesem Zusammenhang der Vorgesetzte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine guten Arbeitsstil vorleben, dann wäre schon ein guter Schritt getan. Es gebe bei ihr im Unternehmen vielfältige Möglichkeiten, seinen Arbeitsplatz selbst zu gestalten. Das bringe eine angenehme Atmosphäre. Hinzukomme aber auch, dass sich die Menschen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt einstellen müssten. So sei mehr sportliche Aktivität in der Freizeit sowie gesunde Ernährung eine gutes Mittel gegen sitzende Arbeiten im Büro oder an der Kasse im Supermarkt, aber auch ein guter Ausgleich für Tätigkeiten, die den Körper stark einseitig belasten. Dr. Ueberschär wies zudem daraufhin, dass die junge Generation, die heute in den Arbeitsmarkt einsteigt, einen gewissen Egoismus aufweist, der keine große Belastungsbereitschaft zulässt. Dies sei auf eine Art gesund, weil dadurch eine neue Arbeitsorganisation von Nöten sei. Andererseits wären dadurch auch psychische Probleme „vorprogrammiert“.Auch Bettina Ganghofer sprach sich für eine aktivere Beteiligung der Mitarbeiter an der Gestaltung des Arbeitsprozesses aus. Es sei zwar im gewerblichen technischen Bereich etwas schwerer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, aber wenn das „Eis gebrochen“ sei, dann sind alle etwas ausdauernder bei der Sache als vergleichsweise in einem Bürojob. Sie verwies außerdem noch einmal auf ihr Sportprogramm, dass sie im Unternehmen durchführe und das anfangs sogar kostenfrei für die Mitarbeiter ist. Hinzu käme noch ein jährlicher Gesundheitsscheck. Das sei einerseits gut, um den aktuellen Gesundheitszustand ganz für sich zu erfahren. Es könne aber auch die Schwachstellen und Entwicklungen zum Vorjahr aufdecken und daran würde beispielsweise in den einzelnen sportlichen Übungen gearbeitet. Bei einem richtigen Zeitmanagement könne man sogar bei körperlich schweren Arbeiten Erfolge erzielen, um Stress abzubauen. In Bezug auf psychische Erkrankungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verwies sie darauf, dass eine Zusammenarbeit nicht immer einfach sei. Sie habe aber auch positive Erfahrungen mit einer hohen Motivation einer Mitarbeiterin gemacht, die nach einer längeren Auszeit bei ihrem Unternehmen neu angefangen hätte.In der mangelnden Kritikbereitschaft und Kritikaufnahme sehe Theresa Kretzschmar viele Ursachen für Verstimmungen im Arbeitsklima. Es scheine ihrer Meinung nach ein typisch deutsches Problem zu sein, dass ein Feedback aus den Arbeitsbereichen als negative Kritik angesehen werde. Ihrer Meinung nach käme es darauf an, wie Rückmeldungen aus dem Arbeitsleben gegeben werden und ob sie auch wirklich zielführend seien oder nur „Gemeckere“. Ihr Unternehmen führe dazu spezielle Feedbackworkshops durch, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Umgang mit diesem Mittel der weiterführenden Kritik erlernen können. Wenn das Arbeitsumfeld stimme, dann gebe es auch eine andere Kultur in der Teamarbeit. So bringe man auch Toleranz für Menschen mit, die mit psychischen Belastungen den Alltag und die Arbeitswelt bewältigen müssten. Das Verständnis wachse und auch das Vertrauen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich vertrauensvoll an die Chefs zu wenden. Außerdem sehe Theresa Kretzschmar eine Ursache in frühzeitiger Arbeitsüberlastung in den falschen Vorstellungen von Neueinsteigern in Unternehmen, besonders nach dem Studium. Für ihr Unternehmen ist es oft wichtiger, wenn sie Menschen einstellen, die auch schon in anderen Unternehmen Erfahrungen sammeln konnten. Die könnten sich schneller auf neue Arbeitsbedingungen und Veränderungen einstellen.Dr. Michael Spitzbart sehe eine große Empfänglichkeit der Deutschen für negative Nachrichten. Wir seien sehr Angstaffin. Mit der Zeit gewöhne sich das Gehirn an dieses Schema der Informationsaufnahme und -verarbeitung und das führe zu Stress. Hinzu käme der ständige Druck zur Leistungssteigerung. Er frage sich, woher jährlich immer wieder ein Wachstum herkommen solle. Manche Zahlen scheinen utopisch und bewirkten zusätzlichen Druck bei den Mitarbeitern. Aber, so Dr. Spitzbart, es könnten auch keine Verordnungen helfen, die Unternehmen und Mitarbeiter verpflichteten, etwas gegen die Entwicklung von Burnout zu unternehmen. Jeder Mitarbeiter müsse selbst erkennen, inwieweit er sich gesundheitlich fit hält und auch gegenüber überhöhten Arbeitsanforderungen schützt.Die Fragen aus dem Publikum an die Diskutanten zeigten deutlich auf, dass es noch viel Handlungsbedarf im Umgang mit psychisch Beeinträchtigten gebe. So würde man gerade in der Verwaltung jene Mitarbeiter nicht mehr im Publikumsverkehr einsetzen können, weil sie den hohen Anforderungen nicht gewachsen seien. Auch bestünde noch nicht überall im Zusammenwirken mit Arbeitsmedizinern die Kenntnis über geeignete Maßnahmen zur Wiedereingliederung psychisch erkrankter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Man würde sich mehr über konkrete Handlungsbeschreibungen freuen.Moderatorin Katrin Hartig forderte die Podiumsteilnehmer abschließend auf, eine Prognose zu wagen, wo wir mit dem Thema Burnout in 20 Jahren stehen werden:Dr. Michael Spitzbart meinte, dass das Thema uns weiterhin beschäftigen werde. Bettina Ganghofer glaubt, dass wir Deutschen das Thema exportieren würden. Es würde noch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft finden und wir könnten besser damit umgehen. Dr. Ina Ueberschär ist sich sicher, dass Burnout dann eindeutig Depression heißen würde. Es sei wichtig, anzuerkennen, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt. Theresa Kretzschmar blickte optimistisch in die Zukunft und denkt, dass es eine positivere Entwicklung in der Arbeitswelt geben wird, die zu weniger psychischen Erkrankungen führen könnte.