Leipzig liest im BFW Leipzig

Buchlesung: „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Lukas Rietzschel liest am 21. März 2019, um 19 Uhr aus seinem Buch „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im Bistro des BFW Leipzig.
© Ullstein Verlag
Lukas Rietzschel liest aus seinem Erstlingsroman im BFW Leipzig
© V. Hauner, BFW Leipzig
Sehr großes Interesse an der Buchlesung mit Lukas Rietzschel im BFW Leipzig
© V. Hauner, BFW Leipzig

Am 21. März las Lukas Rietzschel im Bistro des BFW Leipzig aus seinem Erstlingsroman. Mit der Buchlesung beteiligte sich das BFW Leipzig wieder an „Leipzig liest … an Leipzigs längster Straße“ während der Buchmesse. Mit Lukas Rietzschel wurde ein junger Autor gewonnen, der mit seinem Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im September 2018 ein Achtungserfolg feierte. Die Veröffentlichung im Ullstein Verlag stand zeitlichen kurz nach den Ereignissen in Chemnitz im letzten Sommer. Dadurch erhielt der Autor mit seiner Geschichte eine zusätzliche Medienaufmerksamkeit. Und auch die vergangene Lesung wurde durch parallel verlaufende Ereignisse um den Tod eines Hooligans in Chemnitz inhaltlich überschattet.

Vielleicht war es aber auch der Grund, warum fast 100 Gäste gespannt auf die Lesung von Lukas Rietzschel warteten. Der Autor, der nun zum dritten Mal in Leipzig aus seinem Buch las, zeigte sich positiv ob des großen Interessen überrascht. Für eine gute Stunde gewährte er den Zuhörern einen Einblick in seinen Roman. Aus zwei Kapiteln, die charakteristisch für die Beschreibung der ostsächsischen Provinz und seine Protagonisten standen, las Lukas Rietzschel.

Schauplatz des Romans ist ein kleines Dorf in der Oberlausitz. Es wird die Geschichte des Aufwachsens zweier Brüder, Philipp und Tobias, erzählt. Zwischen 2000 und 2015 werden die beiden zwischen Verlustängsten und Perspektivlosigkeit in ihrer sächsischen Heimat zerrissen. Die Geschichte dockt an die Entwicklung der PEGIDA-Bewegung in Dresden an und schildert, wie sich Philipp erst von den rechten Bekannten seine Anerkennung holen möchte, in Zweifel gerät und sich dann doch wegen der verstörender Ereignisse zurückzieht. Er versucht seinen eigenen Weg zu finden. Wogegen sein jüngerer Bruder Tobias aus immer größer werdender Wut der Radikalisierung verfällt. Er projiziert die Schulschließung, die mangelnde Infrastruktur und den damit verbundenen Niedergang von Beziehungen, den Wegzug von Schulkameraden und die Verödung der dörflichen Idylle auf eine gefühlte Zunahme von Ausländern und die Bevorzugung der einheimischen Sorben. „Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs. Eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land“, schreibt dann auch treffend sein Verlag.

In der kleinen Diskussion im Anschluss an die Lesung machte der Autor deutlich, dass es kein autobiografischer Roman sei. Es seien aber Widerspiegelungen seiner Erfahrungen und Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend, die er in der Region um Görlitz verbrachte. Er wollte bewusst keine Bewertung mit seinem Buch vorlegen, das können seiner Auffassung nach die Literatur auch nicht. Es sei ihm anfangs auch schwergefallen, klar in Worte zu fassen, wie sich in seiner Heimat die Dinge rückwärtsgewandt entwickelt hätten. Somit liege ein Buch mit einer fiktiven Beschreibung tatsächlicher oder ähnlicher Geschichten vor.

Lukas Rietzschel, wurde 1994 in Räckelwitz in der Oberlausitz geboren und lebt in Görlitz. 2012 wurde sein erster Text im „ZEIT Magazin“ veröffentlicht. Seitdem folgten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. 2017 war er Gewinner bei poet | bewegt. Für das Manuskript seines Romandebüts wurde er 2016 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet. (Quelle: Ullstein Verlag)


Seit gut 10 Jahren gehört das BFW Leipzig zu den über 400 Leseorten im Rahmen von Europas größtem Lesefestival „Leipzig liest“. Die Leipziger Bildungseinrichtung stellt zudem unter das Label „Leipzig liest … an Leipzigs längster Straße“, unter dem der Förderverein Georg-Schumann-Straße Gewerbetreibende, Gastronomen und Kultureinrichtungen auf der Magistrale in den Norden der Messestand zur Buchmesse vereint hat.