Psychisch Krank und doch in Arbeit integriert - 2 Jahre BTZ Chemnitz

Seit zwei Jahren bietet das Berufliche Trainingszentrum Chemnitz (BTZ Chemnitz) Maßnahmen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen an. Ziel ist es, die Betroffenen wieder erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

BTZ-Personalberater Sebastian Kreschnak
© M. Lindner, BFW Leipzig
Fachbereichsleiter BTZ Chemnitz Marko Daubitz
© A. Starke, BFW Leipzig

Über ein erfolgreiches Angebot im BTZ Chemnitz, das Berufliche Training, sprachen wir mit dem Fachbereichsleiter Marko Daubitz und BTZ-Personalberater Sebastian Kreschnak.

Für wen ist das Berufliche Training gedacht und mit welchen Krankheitsbildern kommen die Teilnehmer zu Ihnen?

Kreschnak: Am Beruflichen Training nehmen Menschen mit verschiedenen psychischen oder neurologischen Beeinträchtigungen teil. Die Betroffenen haben oft Suchterkrankungen, Psychosen, affektive Störungen, Angst- und Belastungsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen. Unser Hauptziel ist die Wiedereingliederung in Arbeit. Dabei bauen wir auf bereits erzielte Erfolge hinsichtlich der Krankheitsbewältigung auf. In der Regel sollen unsere Teilnehmer für eine Belastbarkeit im Arbeitsalltag von mindestens 6 Stunden pro Tag fitgemacht werden.

Wie sieht die konkrete Unterstützung im BTZ Chemnitz für die Betroffenen bei der Rückkehr in Arbeit aus?

Kreschnak: Die Teilnehmer werden von einem Team aus Ausbildern, Trainern, Ergotherapeuten, Psychologen und Personalberatern während des Beruflichen Trainings begleitet. Es ist ein Prozess der intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Potentialen, um die Stärken der Teilnehmer zu erkennen und dort den Ansatz zu finden, um beispielsweise die EDV-Kenntnissen sowie schulischen Grundlagenkenntnissen zu vermitteln oder aufzufrischen. Und ganz wichtig ist das umfassende Bewerbungstraining. Ebenso findet eine sukzessive und an den Bedarfen der Teilnehmer orientierte psychologische Begleitung in Form von Trainings und Gesprächen statt. Weiterhin absolvieren sie ein arbeitsplatzbezogenes Training von Schlüsselqualifikationen an entsprechenden Trainingsplätzen. Die mehrmonatigen betrieblichen Lernphasen (ähnlich einem Betriebspraktikum) direkt beim Arbeitgeber sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Maßnahme. Hier besteht die Möglichkeit berufliche Zielvorstellungen endgültig zu festigen und auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hinzuarbeiten. Gegebenenfalls finden arbeitsplatzbezogene Weiterbildungen statt.

Gibt es „Rückschläge“ und wie gehen Sie damit um?

Kreschnak: Durch unvorhergesehene gesundheitliche Probleme, die aus dem Krankheitsbild der Teilnehmer erwachsen, müssen wir manchmal die Maßnahme flexibel gestalten. Nach erfolgter Genesung gelingt uns meistens in Absprache mit allen Beteiligten eine schnelle Rückkehr zur vollen Belastbarkeit und die Einbindung in das Berufliche Training. Andernfalls unterstützen wir die Teilnehmer und ihren Leistungsträger gern bei der Erarbeitung alternativer Ideen. Wenn die Integration ins Berufsleben nicht während der Maßnahme gelingt, organisieren wir bei uns im BTZ Chemnitz eine intensive Nachbetreuung bis zu einer späteren Vermittlung in Arbeit.

Auf welche Erfolge können Sie mit BTZ Chemnitz zurückblicken?

Daubitz: Wir haben in den letzten zwei Jahren eine überdurchschnittliche Vermittlungsquote von ca. 70% durch das Berufliche Training erreichen können. Allgemein konnten wir am BTZ Chemnitz einen kontinuierlichen Zuwachs der Teilnehmerzahlen verzeichnen. Aufgrund dessen haben wir uns räumlich und personell erweitern. Und wir haben mit dem Berufliches Basistraining (BBT) ein neues Angebot einführen können. Erstmals konnten wir in 2018 insgesamt 20 Teilnehmer in dieser Maßnahme begrüßen. Dies übertraf bei Weitem unsere Erwartungen und hat uns personell und organisatorisch vor Herausforderungen gestellt. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort haben diese gut und mit hohem Einsatz bewältigt. Dadurch konnten wir diese neue Maßnahme am Markt etablieren. Eine fast 80-prozentige Steigerung war in der Berufsfindung/Arbeitserprobung lang zu verzeichnen. Das ist einerseits einer deutlich gestiegenen Zahl an Teilnehmern und andererseits der Einführung dieses 6-wöchigen Assessments zuzuschreiben. Aus dieser Zunahme resultiert auch eine stärkere Zuweisung in das berufliche Training in 2019. Somit gehen wir auch dieses Jahr von einer sehr positiven Entwicklung in Chemnitz aus.

Werden Sie das BTZ Chemnitz weiter ausbauen?

Daubitz: Es wurde eine engere Zusammenarbeit mit psychiatrischen Kliniken – wie z.B. mit dem Klinikum Chemnitz – vereinbart. Zusätzliche fokussieren wir uns auf den Ausbau des niederschwelligen BBT Angebotes, als Vorbereitung zum Beruflichen Training. Zur Erweiterung der Angebote gehört auch ein breiteres Portfolio an psychosozialen Kursangeboten, welche wir vergleichbar mit unserem Beruflichen Trainingszentrum in Leipzig umgesetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Jugendmaßnahmen am BTZ Chemnitz. Im Bezug auf das BT gilt es die hohe Qualität zu festigen und die erreichte Integrationsquote als dauerhaften Maßstab zu sehen, welches ein hohes Maß an Professionalität und Engagement fordert.