Weniger Umschulungsabbrecher mit psychischen Diagnosen

Nach zwei Jahren kann das Berufliche Trainingszentrum am BFW Leipzig eine positive Bilanz seiner Arbeit mit psychisch kranken Menschen ziehen. Die Zahl der Abbrecher bei den Umschulungen im BFW Leipzig sank erheblich. Das führt auch zu Einsparungen bei den Leistungsträgern.

Die Zahl der Umschulungsabbrecher mit psychischen Diagnosen ist seit Eröffnung des BTZ Leipzig um 64 Prozent gesunken.
© A. Starke, BFW Leipzig

In den letzten Jahren haben die psychischen Beeinträchtigungen als eine der Hauptdiagnosen in der beruflichen Rehabilitation zugenommen. Sie haben mittlerweile die Erkrankungen der Muskel-Skelett-Systems in ihrer Häufigkeit „überholt“. 2017 hatte 39,8 Prozent der Teilnehmer, die eine Umschulung begonnen hatte, eine psychische Beeinträchtigung. Dagegen standen 36,3 Prozent Diagnosen des Muskel-Skelett-Systems. Im September 2016 hatte das BFW Leipzig auf diese Entwicklung konsequent mit der Gründung des Beruflichen Trainingszentrums Leipzig am BFW (BTZ Leipzig) reagiert. Ein halbes Jahr später wurde das BTZ auch in der Außenstelle Chemnitz eröffnet.

Mit diesem BTZ Leipzig wurden gleichzeitig neue Maßnahmen konzipiert, die auf eine individuellere Betreuung der Teilnehmer abzielen. Eine dieser Maßnahmen ist die Stabilisierung und Vorbereitung auf eine Umschulung (SVU). Jetzt liegen erste Zahlen vor, die belegen, dass das Team um Fachbereichsleiter Marko Daubitz den richtigen Weg eingeschlagen hat. Die Zahl der Abbrecher einer Umschulung hat bei den Teilnehmern mit psychischen Diagnosen von 2016, also im Startjahr des BTZ Leipzig, bis heute um 64 Prozent abgenommen.

Das führt Marko Daubitz darauf zurück, „dass die Teilnehmer entsprechend ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten auf einen für sie passenden Umschulungsberuf orientiert und somit auch motiviert werden. Die sechsmonatige Stabilisierungs- und Vorbereitungsphase beinhaltet ein umfangreiches psychosoziales Paket mit einer engmaschigen Betreuung durch Psychologen, berufliche Trainer, Reha-Manager, Sozialpädagogen, Sport- und Ergotherapeuten sowie Ärzten.“ Angeboten werden Kurse zum Umgang mit Krisensituationen, Konzentrations- und Gedächtnistraining, Kommunikationstraining, Kurse zur Stress- und Angstbewältigung sowie zur Steigerung der Selbstwirksamkeit. „Wir trainieren in den sechs Monaten zudem die sozialen Kompetenzen und führen ein Verhaltenstraining in ausgewählten Situationen, wie z.B. bei Präsentationsängsten, durch.“ Wichtige Bestandteile sind die Qualifizierungsanteile in Mathematik, Deutsch und EDV. Über eine mehrwöchige praktische Orientierungsphase an individuellen Trainingsplätzen erhalten die Teilnehmer einen tieferen Einblick in ihren späteren „Wunschberuf“.

„In dieser Orientierungsphase kommt es schon vor, dass Teilnehmer ihre Wahl der Umschulung noch einmal überdenken und entsprechend ihres Leistungsbildes sich neu ausrichten“, so Marko Daubitz. „Mit dieser Wechselmöglichkeit geben wir den Teilnehmern in dieser Phase viel Sicherheit. Zumal wir nicht nur in den Berufen, die das BFW Leipzig ausbildet, die SVU durchführen. Wir haben regelmäßig auch Teilnehmer in der Maßnahme, die in anderen Einrichtungen eine Umschulung absolvieren, so hatten wir beispielsweise auch schon einen künftigen Schornsteinfeger erfolgreich vorbereitet.“

Die Absenkung der Zahl der abgebrochenen Umschulungen bei Teilnehmern mit psychischen Beeinträchtigungen ist nicht nur eine statistische Größe für das BTZ Leipzig. Für die Leistungsträger von Rentenversicherungen, Arbeitsagenturen und Jobcentern bedeutet dies, dass sie in einen durchgängigen Verlauf einer beruflichen Rehabilitation investieren. „Jeder Abbruch kostet die Leistungsträger zusätzliches Geld für einen anderen Weg zur Rückführung ihrer Versicherten in den Arbeitsmarkt“, weiß Marko Daubitz.