Ein Krankenpfleger macht seine Passion zum Beruf

Zu den gewerblich-technischen Berufen zählt u.a. der Fachinformatiker mit seinen Fachrichtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung. Während dieser Umschulung, die neben der beruflichen Rehabilitation auch offen für Inhaber von Bildungsgutscheinen ist, kann man auch in der Welt herumkommen kann.

Alexander Geisenhainer hat seine IT-Passion durch eine Umschulung zum Fachinformatiker Fachrichtung Systemintegration zum Beruf gemacht.
© M. Lindner, BFW Leipzig

Mit einem Erlebnisbericht über die WorldSkills 2017 in Abu Dhabi sorgte er bereits für Aufmerksamkeit. Da stand der 38-jährige Alexander Geisenhainer vor den gut 40 Gästen des 22. IT-Netzwerkabends im Berufsförderungswerk Leipzig und erzählte mit einer gewissen Unaufgeregtheit, wie er die Hälfte der Computer zur Berufsweltmeisterschaft im Wüstenstaat gerockt hatte. Es hinterließ schon einen Eindruck auf die Spezialisten aus der IT-Branche, dass ein Umschüler aus dem BFW Leipzig für ein so groß angelegtes Event die Rechner betriebsbereit machte. Und, so wurde vorher von seinem Ausbilder Stefan Kusiek berichtet, es waren auch die einzigen Rechner, die während der gesamten Veranstaltung stabil und zuverlässig ihren Dienst taten.

Eine kleine Freeware war seine Lösung, um auf alle 450 PC’s, für die das Projektteam um Stefan Kusiek in Abu Dhabi verantwortlich zeichnete, das Betriebssystem sowie die weitere notwendige Software automatisch aufzuspielen. Dafür hatte das Team 35 Stunden Zeit. Und es hatte offensichtlich gereicht, um mit der FOG-Projekt-Software die Workstations zum Laufen zu bringen. Der zentrale Roll-Out war schon deshalb notwendig, weil alle Wettbewerbsteilnehmer gleiche Arbeitsbedingungen vorfinden sollten und keine Möglichkeit, die Rechner zu manipulieren. Immerhin bewarben sich bei den 51 Berufswettbewerben knapp 1.300 junge Leute aus 58 Ländern um die Meistertitel bei den 44. WorldSkills.

Zurück in Deutschland. Alexander Geisenhainer bleibt ruhig, wenn er über die Ereignisse bei 35 Grad Außentemperatur und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit berichtet. Es mag daran liegen, dass er sich schon immer für die technischen Details der Bits und Bytes interessierte. Im Freundeskreis war er der Ansprechpartner, wenn die Maschine mal nicht so lief, wie es sich der Nutzer vorstellte. Er bastelte und schraubte und die Freunde waren zufrieden mit seiner Leistung.

Dabei hatte der Jenaer ursprünglich gar nichts mit dieser Branche zu tun. Krankenpfleger war er, am dortigen Universitätsklinikum. Der Beruf machte ihm Spaß. Bis zu dem Zeitpunkt, wo er nicht mehr schwer heben konnte. Die Ellenbogen schmerzten. Eine Knorpelerweichung führte dazu, dass er den Beruf des Krankenpflegers nicht mehr ausüben konnte. Doch der holprige anderthalbjährige Weg bis zur Genehmigung der beruflichen Reha entmutigte ihn nicht.

Im Januar 2016 begann er seine Umschulung. Noch stand für den Bastler Alexander Geisenhainer der Systemelektroniker als Berufswunsch auf dem Plan. Er entschied sich um. Wollte doch lieber Fachinformatiker für Systemintegration werden. Eine gute Entscheidung. Zu seinem Do-it-yourself-Wissen gesellten sich nun neue Gebiete, die er als Bereicherung empfand. Netzwerkkomponenten, Datenbanken, das war Neuland.

Er liebt das strukturierte Vorgehen, um Probleme zu lösen. Das hatte ihm an der Umschulung auch so gefallen. Man mache sich einen Plan, recherchiere nach Umsetzungsvarianten und dann geht’s an die Arbeit. Die Ausbildung befähigte ihn dazu, solche Aufgaben wie bei der Berufsweltmeisterschaft zu bewältigen. Er hat im BFW Leipzig das Selbstvertrauen aufbauen können, das er früher für diese „großen“ Aufgaben noch nicht hatte.

Abu Dhabi, die DreamHack in Leipzig, die Leipziger DOK-Filmwoche und andere Projekte, die während der Umschulung umgesetzt wurden, sind ein gutes Aushängeschild für Alexander Geisenhainer, um sich zu bewerben. Wo es genau hingehen soll, da muss er erst noch einen Plan entwickeln. Leipzig passt für seine zweite Leidenschaft, dem Schwimmen, gut und es ist hier auch schöner. Jena hingegen hat sich zum Technologiestandort entwickelt und dort leben seine Freunde. Letztendlich fiel seine Wahl auf Leipzig. Als Fachinformatiker für Systemintegration fand er bei der Leipziger Lecos GmbH den Wiedereinstieg in Arbeit.