Ein bisschen wie Lego für Erwachsene - Technische Produktdesignerin

Es ist noch etwas Zeit, wenn am 16. Oktober 2018 ein neuer Umschulungskurs für Technische Produktdesigner beginnt. Und doch braucht man die Zeit für die Neuorientierung, wenn man nach Krankheit oder Unfall wieder den Weg zurück in Arbeit finden möchte. Technische Produktdesigner erstellen mit Hilfe von 2D- und 3D-CAD-Systemen detaillierte Konstruktionspläne für Anlagen, Maschinen und Fahrzeuge. Eine ehemalige Krankenpflegerin hat als Quereinsteigerin ihren Wiedereinstieg in Arbeit mit der Umschulung zur Technischen Produktdesignerin geschafft.

Die Teile der ersten Serie des Auftrages, an dem Josefine Schmidt mitarbeitet, werden von ihr nach den speziellen Erfordernissen des Auftraggebers an- und eingepasst. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Quereinsteigerin.
© M. Lindner, BFW Leipzig

„Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man mit Ü50 an eine Umschulung kommt und dann noch einen Arbeitsplatz findet“, erzählt Josefine Schmidt*. Die 54-jährige hatte im Januar 2015 noch ohne einen festen Plan eine berufliche Rehabilitation begonnen. Ihre Reha-Beraterin von der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland machte ihr damals Mut und gab ihr die Zuversicht, dass dies der richtige Weg sei, um wieder am Arbeitsleben teilzuhaben.

Im zweiten Anlauf hatte Josefine Schmidt den Reha-Antrag bewilligt bekommen. Die gelernte Krankenschwester war zuvor zweieinhalb Jahren nach einem Burnout nicht mehr arbeitsfähig. Doch mit der Familie und Freunden konnten sie die lange Zeit von Krankheit und Arbeitslosigkeit hinter sich lassen.

Der Neubeginn in eine für sie ungewohnte Arbeit begann erst einmal im Berufsförderungswerk Dresden. Vier Wochen Assessment. Testen, ob der eigene Wunsch, Verwaltungsfachangestellte zu werden, zu ihr passen könnte. Eine gute Zeit. Die Gespräche mit der Psychologin und die einzelnen Tests liefen letztlich jedoch in eine ganz andere Richtung, als es sich die Mutter von zwei Töchtern vorstellen konnte: Technischer Produktdesigner. Sie entwickelte Freude an der Vorstellung, am digitalen Reißbrett etwas zu konstruieren. „Wenn ich schon neu anfange, dann soll es etwas sein, was mir Spaß macht“, sagt sie heute.

Mit dem Abstand und dem Blick auf ihren beruflichen Werdegang fällt es ihr leichter darüber zu sprechen. Die langen Jahre als Krankenschwester, eigentlich wollte sie Ärztin werden und durfte es in der DDR nicht, zwischenzeitlich sogar als Taxisfahrerin zum Ausgleich und letztlich als Krankenpflegerin und Pflegedienstleiterin, haben sie damals an ihre Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Die Umschulung versprach, wegzukommen von der emotionalen Nähe zu den körperlich und psychisch schweren Pflegeberufen. Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland genehmigte die berufliche Rehabilitation am Berufsförderungswerk Leipzig. Die anstehenden Belastungen für die Hallenserin durch tägliches Pendeln wurden ihr genommen durch einen Internatsplatz. Auf eine 27-monatige Wochenend-Frau und -Mutter richtete sich die Familie ein.

Die Umschulung im BFW Leipzig war eine Herausforderung. Mathe, ja, das war noch etwas, womit Josefine Schmidt etwas anfangen konnte. Aber, Physik. Die Sache mit dem, wie so alles funktioniert? Das, genauso wie das Zeichnen am PC sollte und wollte sie lernen. Sehr wissbegierig machte sie sich ans Werk, fragte die Ausbilder, recherchierte selbst und schaffte einen sehr guten Abschluss.

Ihr heutiger Arbeitgeber die Heiterblick GmbH aus Leipzig hat sicherlich auch viel zu ihrer erfolgreichen Umschulung beigetragen. „Praktikanten kann man sich ein halbes Jahr anschauen“, sagt ihr Chef Axel Matschke, „da schauen wir beide, ob es funktioniert.“ Und Frau Schmidt passte. Es war ihr Lebenslauf, ihre Geradlinigkeit, etwas zu schaffen und ihre menschliche Kompetenz, die den Leiter der Konstruktion überzeugten. „Der Ausbildung im BFW Leipzig muss ich die Note zwei und besser geben. Handwerklich sitz es bei Frau Schmidt.“ Daher hat er sie auch gleich mit ins Team für einen Großauftrag gesetzt. Heiterblick baut Straßenbahnen und im Konstruktionsbüro werden diese entwickelt bzw. für den Kundenwunsch bearbeitet. So auch beim Großauftrag aus Bielefeld. Frau Schmidt konstruiert die vielen Teile im Cockpit der zweiten Auflage der Bielefelder Straßenbahn. „Das ist wie Lego für Erwachsene“, scherzt sie an ihrem Arbeitsplatz. Die vorhandenen Teile aus der ersten Serien werden von ihr nach den speziellen Erfordernissen des Auftraggebers an- und eingepasst. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Quereinsteigerin, aber es macht Spaß. „Wenn ich heute in eine Straßenbahn einsteige, dann sehe sie mit anderen Augen, schaue ganz genau hin, wie es funktioniert.“ Und dann weiß sie, dass sie angekommen ist in ihrer neuen beruflichen Zukunft.